„Hartz IV – Widerspruch zwischen Regularien und Gewissen?“

Radio free Fm aus Ulm: Liveübertragung aus dem Club Orange der vh Ulm:

Das Thema: „Hartz IV – Widerspruch zwischen Regularien und Gewissen?“

Inge Hannemann (Arbeitsvermittlerin) und „Whistleblowerin“

Scharfe Kritikerin der Hartz IV-Praxis in den Jobcentern und  deshalb seit April 2013 „freigestellt“ 

Zu Gast waren Inge Hannemann, freigestellte Mitarbeiterin des Jobcenters in Hamburg Altona, Renate Hartwig, Publizistin, Autorin und Aktivistin und Marcel Kallwass, Studierender bei der Bundesagentur für Arbeit.

Moderation: Friedrich Hog und Dorothee Ackermann

 

Die Sendung von Free FM zum Nachhören und Herunterladen im Internet

 www.freefm.de/node/16930

Zur Referentin:

Inge Hannemann absolvierte Ausbildungen als Speditionskauffrau, Netzwerkadministratorin und Arbeitsvermittlerin. Sie studierte Journalismus, ist Mitglied von Ver.di und war langjähriges Jusos-Mitglied. Sie ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.

Inge Hannemann ist eine zurzeit freigestellte Jobcenter-Mitarbeiterin, die durch ihre Kritik am Hartz-IV-System bundesweit bekannt geworden ist. In ihrem Blog: http://altonabloggt.wordpress.com/ berichtet sie seit geraumer Zeit kritisch über ihre Arbeit im Jobcenter und vor allem über die Sanktionspraxis, welche aus ihrer Sicht im Grunde genommen nicht mit dem Grundgesetz und durchaus auch nicht mit der Idee der Menschenrechte vereinbar ist. Insbesondere betont Inge Hannemann in ihrer Kritik den Artikel 1 des Grundgesetzes, nach dem die Würde des Menschen unantastbar ist. Sie berichtet, wie im Arbeitsalltag es immer wieder dazu kommt, dass Jobcenter-Mitarbeiter vom System geradezu dazu gezwungen werden, gegen den Artikel 1 des Grundgesetzes zu verstoßen. Inge Hannemann befürwortet die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens als eine mögliche Alternative.

Kontroverse um Sanktionspraxis

Hannemann ist seit 2005 Mitarbeiterin beim Jobcenter Hamburg-Altona. Presseberichten zufolge weigerte sich Hannemann über Monate hinweg, bei Regelverstößen Sanktionen zu verhängen. Hannemann bestreitet diesen Vorwurf und gibt an, Sanktionen lediglich in begründeten Einzelfällen zurückgenommen zu haben. Ob eine Sanktion überhaupt verhängt werden müsse, liege im Ermessen des Sachbearbeiters. Zudem kritisierte Hannemann in ihrem Blog einige Umgangsweisen mit Beziehern von Arbeitslosengeld II sowie diesbezügliche Vorgaben.

Aus diesen Gründen wurde sie im April 2013 durch ihren Arbeitgeber mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt und erhielt Hausverbot. Dagegen klagt sie vor dem Hamburger Arbeitsgericht auf Weiterbeschäftigung. Eine ihr angebotene Versetzung auf eine Stelle ohne Kundenkontakt im Bezirksamt Eimsbüttel lehnte Hannemann ab. Der Eilantrag Hannemanns auf Weiterbeschäftigung wurde vom Arbeitsgericht am 30.7. 2013 abgewiesen. Die Hauptverhandlung beginnt am 14.8. 2013. Über 16.000 Menschen forderten in einer Online-Petition das „Jobcenter Hamburg“ zur Zurücknahme arbeitsrechtlicher Sanktionen gegen Hannemann auf.

Hannemann ist die erste Mitarbeiterin eines deutschen Jobcenters, die sich öffentlich kritisch gegen die Arbeitsmarktpolitik der Agenda 2010 zu Wort meldet. So führt sie in ihrem Altona-Blog und in diversen Vorträgen und Interviews aus, „Fordern und Fördern“, die erklärten Ziele des Hartz-Konzepts, seien längst technokratischen Vorgaben gewichen. Hartz IV verfolge nicht das Ziel, Arbeitslosen eine Perspektive für den Wiedereintritt ins Arbeitsleben zu bieten, sondern sie mittels Sanktionsdruck aus dem Leistungsbezug zu drängen.

Die Bundesagentur für Arbeit erklärte noch während des laufenden arbeitsrechtlichen Verfahrens in einer Pressemitteilung, dass es die behaupteten Missstände nicht gäbe und Hannemann tausende Mitarbeiter in den Jobcentern gefährde. Sie habe sich nur den falschen Job ausgesucht. Hannemann widersprach und gab an, sie könne ihre Kritik mit Dokumenten belegen.

Aushttp://de.wikipedia.org/wiki/Inge_Hannemann

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