Bundesagentur für Arbeit schasst kritischen Studenten der Hochschule – Kommentar zur Kündigung von Marcel Kallwass

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Bundesagentur für Arbeit schasst kritischen Studenten der Hochschule – Kommentar zur Kündigung von Marcel Kallwass

Überraschend kam es nicht: die fristlose Kündigung des „kritischen Kommilitone“ Marcel Kallwass an der Hochschule Mannheim der Bundesagentur für Arbeit (HdBA). Eher ist es eine Retorte, welche planmäßig nach zwei zuvor erteilten Abmahnungen gegen diesen kritischen Studenten ausgesprochen wurde. Ist die vorausgesetzte und erwartete überdurchschnittliche Loyalität gegenüber einen Arbeitgeber eine Sache, so stellt sich doch die Frage nach der Kritikfähigkeit einer Behörde und der Ethetik. Dass die Bundesagentur für Arbeit dem wenig bis kaum gewachsen ist, zeigen schon alleine die vielen Rechtfertigungen in den letzten Monaten. Ob man diese nun als Lügen, Beschwichtigungen, Täuschungen, Wahrheiten oder gar als ein Ufo einer unbekannten Materie sieht, bleibt dabei den Zuhörern und Lesern selbst überlassen. Vielleicht fallen Weihnachten und Ostern auch mal zusammen.

Ebenso stellt sich die Frage, warum gerade ein Studierendenvertreter dieser Hochschule bereits so gepolt ist, dass er von Radikalisierung im Kontext zu Kallwass spricht. Da wirken Aussagen um menschliches Mitgefühl eher fehl am Platz und gehören in die Sendung „Wetten dass“, wir alle linientreu mitschwimmen. Mutig und offen wäre es gewesen einen Kreis von Studenten und Dozenten zu bilden, in dem die Kritikpunkte von Kallwass angesprochen werden und welche Alternativen es geben könnte. Dass jedoch ist nicht gewünscht und so wird auch Kallwass in eine Ecke gedrängt, der ihn zum Querulanten abstempelt. Eine didaktorische Totschlagwaffe, um jeglicher Diskussion aus dem Weg zu gehen.

Unvereinbarkeit zwischen Macht und Unmacht

Kallwass rief in seinem zweiten Flugblatt zum Widerstand auf und lehnt sich damit, in seinen Augen gegen das Unsoziale im Machtapparat der Jobcenter und Arbeitsagenturen auf. Ein passiver Widerstand im Wechsel zwischen dem menschlichen Bewusstsein einerseits und der gesellschaftlichen Praxis andererseits, im Konstrukt der Behörden. Besteht jedoch ein krasser Wechsel, könnte man doch auch meinen, Kallwass hätte freiwillig gehen können. Dazu meint Kallwass, das System von innen heraus verändern zu wollen. Und nun scheinen zwei Bewertungssysteme aufeinander zu prallen und weit auseinander zu gehen. Moralische oder gar menschliche Beweggründe stoßen auf vermeintliche Obrigkeit und damit über die Definitionsmacht über Recht und Gesetz. Das kann nicht gut gehen. Und ist auch nicht gewollt. Unmacht gegen Macht. Utopien gegen Sozialgesetzbücher. Nonkonformismus gegen Konformismus, unter Aufgabe der eigenen Individualität, weil alles im Sinne der Steuerzahler und mit Legitimität des Parlaments geregelt wird.

Ethische Kontexte bleiben dabei im Hintergrund. Kallwass ist nicht gegangen, sondern aus der zwangsläufigen Sicht der Unvereinbarkeit zwischen Macht und Unmacht geflogen. Die Bundesagentur für Arbeit zeigt ihr Gesicht mehr als deutlich. Sie spricht von Verunglimpfung und von Beleidigung gegenüber dem Arbeitgeber. Dabei außer Acht gelassen wird jedoch der reine menschliche Aspekt. Dieser zeigt sich tagtäglich in der hohen Anzahl der Bezieher nach Arbeitslosengeld II. Hier sitzen Millionen von Berechtigten knapp hunderttausend Sachbearbeitern gegenüber. Millionenfaches gegenüber knapp Hunderttausendfaches. Und da will man Menschliches außer Acht lassen? Nein, dafür reichen Diskussionsrunden oder Arbeitskreise intern bei weitem nicht aus. Nach dem Motto: „Wenn du nicht weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis.“ Das kann vielleicht nur ein Anfang sein, aber schlussendlich muss ein oppositionelles Handeln gegenüber der Obrigkeit erfolgen. Und diese Obrigkeiten sitzen aktuell im roten und schwarzen Stuhl der Regierung und damit auch zwangsläufig in den Ausführungen der Bundesagentur für Arbeit. Stärke zeigt sich dadurch, dass man sich den Kritiken stellt und sei es mit allen Achs und Wehs. Es geht hier nicht mehr nur um Einzelfälle bei den Leistungsberechtigten nach Arbeitslosengeld I oder II, sondern um eine Gesellschaft, die auch Dank Behördenstruktur mehr und mehr verroht.

Fast könnte man meinen, eine Verrohung die von Oben gewünscht ist. Mundtote lassen sich scheinbar leichter lenken. Wenn sich da mal die Bundesagentur für Arbeit nicht irrt.

altonabloggt vom 30.01.2014

http://altonabloggt.wordpress.com/2014/01/30/bundesagentur-fur-arbeit-schasst-kritischen-studenten-der-hochschule/#comment-12862

Persönlicher Kommentar:

„Es lässt für Hartz IV – Betroffene nichts Gutes erwarten, wenn junge Menschen, in diesem Fall Studenten an der Hochschule der Bundesarbeitsagentur in Mannheim so unkritisch in ihrem Bewusstsein und Denken sind.

Millionen Betroffene die mit Hartz IV von sozial verrohten Politikern in die totale Verelendung bis hinein in die Altersarmut durch eine Zwangsverrentung mit 63 (natürlich mit deftigen Abschlägen) getrieben werden, sind völlig zu recht verbittert und wütend. Haben sich längst von dieser faschistoiden Gesellschaft zurück gezogen und gehen kaum noch zur Wahl.

Und in dieser Situation zeigt ein Marcel Kallwass Verstand, Bewusstsein und eine außergewöhnlich hohe soziale Kompetenz und Mitgefühl. Marcel ist es eben nicht egal wie in diesem Land mit Millionen Menschen umgegangen wird, egal ob in den Jobcentern oder durch korrupte Politiker. Er geht in die Öffentlichkeit und stellt die BA, die politische Klasse, aber auch diese hoch faschistoide Gesellschaft völlig zu recht an den Pranger.

Er fordert seine Kommilitonen zu einem kritischen Denken und Handeln auf. Doch seine Mit – Studenten??? fühlen sich nur gestört und genervt, jedenfalls so wie die Studentenvertretung der Mannheimer Hochschule das behauptet. Zu meiner Studentenzeit waren wir selbstverständlich kritisch und sind viel deutlicher auf die Straße gegangen. Vieles konnte in Deutschland dadurch zum Positiven verändert werden. Doch was die Studenten an der Mannheimer Hochschule zeigen, ist einfach nur noch peinlich und höchst primitiv. Das lässt für die Zukunft kaum Hoffnung auf bessere Zeiten. Was diese Studenten dabei vergessen ist, dass es um ihre eigene Zukunft geht, geprägt von Hartz IV, Leiharbeit, prekärer Beschäftigung und eine Gesellschaft die immer unmenschlicher wird.“

Michael Lange / Hamburg / Hoelderlinblog

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