MDR – Exakt 04.03.2015 – „Endstation Hartz IV“

MDR – Exakt 04.03.2015 – „Endstation Hartz IV“

Hartz IV prägt das Schicksal vieler Menschen in Deutschland. Vor zehn Jahren wurden die Arbeitsmarktreformen eingeführt. Exakt begleitet seitdem Hartz-IV-Empfänger und schaut, was aus ihnen geworden ist. Dazu gehören auch Andrea Illig und Gerdwin Lathan.

Das Jobcenter in Chemnitz. Hier lernen wir vor acht Jahren Andrea Illig kennen. Die 35-Jährige ist mit kurzen Unterbrechungen seit 17 Jahren arbeitslos. Zusammen mit ihrer Tochter Jenny bildet die alleinerziehende Mutter eine Bedarfsgemeinschaft. Seit zwei Jahren verdient sie sich mit Taxifahren etwas dazu.

 

Ungefähr zur gleichen Zeit treffen wir auch Gerdwin Lathan. Er betritt an diesem Tag zum ersten Mal das Jobcenter in Chemnitz. 16 Jahre lang war der 48-Jährige als Versicherungsvertreter selbständig. Doch als es in seinem Job nicht mehr läuft, muss er sich arbeitslos melden. Sein Antrag auf Hartz IV wird jedoch zum damaligen Zeitpunkt abgelehnt. Denn noch hat der 48-Jährige zu viel Vermögen und fährt einen teuren Sportwagen.

So will er es aus eigener Kraft zurück auf den Arbeitsmarkt schaffen. Er bemüht sich intensiv um einen neuen Job, doch es hagelt Absagen. Als wir ihn ein paar Monate später wieder treffen, ist von Gerdwin Lathans Optimismus nicht mehr viel übrig. Mittlerweile ist auch sein Vermögen aufgebraucht, er bezieht nun Hartz IV.

„Ich war eigentlich immer ein selbstbewusster Mensch, trotz auch persönlicher Rückschläge oder so, es ging immer weiter. Aber wenn man gar nichts mehr beeinflussen kann. Sachen, die mir früher Spaß gemacht haben, lassen mich jetzt kalt. Hobbys lassen mich kalt.“

Gerdwin Lathan

Sieben Jahre später treffen wir Andrea Illig wieder, die 43-Jährige ist immer noch arbeitslos. Letztes Jahr verlor sie auch ihren Job als Taxifahrerin. Sie kam mit ihrem Chef nicht mehr klar.

„Ich habe, seitdem ich meinen letzten Job verloren habe, so eine ganz leichte Depri-Phase. Ich hab einfach keine Lust mehr. Und irgendwann sagt man auch, ich habe keine Lust mehr zu kämpfen, ich hab, mir reicht’s! Ich bin immer ein Mensch, der kämpfen tut, war ich immer und werd ich sicherlich auch wieder werden, aber im Moment seh ich da nur schwarz drinne bei mir.“

Andrea Illig

Andrea Illig sieht für sich keine berufliche Chance mehr. Einmal hat sie noch Anlauf genommen. Die gelernte Hauswirtschafterin wollte zur Altenpflegerin umschulen. Doch das Amt finanziert keine zweite Ausbildung.

Frust, Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit – bei Andrea Illig ist derzeit kein Weg aus Hartz IV abzusehen. Auch privat steht alles auf der Kippe. Mit Tochter Jenny hat sie keinen Kontakt mehr. Das einzig Verlässliche in ihrem Leben sind die regelmäßigen Briefe vom Jobcenter.

Bei Gerdwin Lathan dagegen gibt es ein Happy End. Er hat es geschafft. Seit zwei Jahren arbeitet er bei einer Firma für Rundstrickmaschinen in seinem ursprünglichen Beruf als Schleifer. Damit ist er einer von bundesweit rund 700.000 Hartz-IV-Empfängern, die es 2013 auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft haben.

„Mir macht meine Arbeit Spaß und für mich ist das auch ganz wichtig, dass man das Gefühl hat, man wird wieder gebraucht. Das macht mich schon, oh ja, wenn man das so nennt, macht mich das glücklich.“

Gerdwin Lathan

MDR – Exakt 04.03.2015 – „Endstation Hartz IV“

http://www.mdr.de/exakt/hartz156.html

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